Das Grundgesetz der Bundesrepublik Artikel 14 sagt aus, dass das Eigentum unter der Voraussetzung, das seine Verwendung zum Wohle der Allgemeinheit dient, zu schützen sei.
In der Realität entziehen sich die großen Gewinn- und Vermögenseinkommen immer mehr der Finanzierung des Gemeinwesens. Das private Geldvermögen einiger wächst im gleichen Tempo wie das der anderen sinkt.
In einem Land, wo alles gezählt und statistisch erfasst wird, gibt es keine verwertbaren Daten über Reichtum, Reichtum bleibt geheimnisvoll verborgen und scheut das Tageslicht. Das Stichwort Millionär fehlt im Statistischen Jahrbuch.
Es gibt keine Statistik und nur selektive Aussagen über Reichtum in Deutschland. Reichtum heute legt sich nicht mehr wie einst in Investitionen und neue Arbeitsplätze um, er wird nicht mehr produktiv angelegt, sondern in die Finanzsphäre transferiert. Reichtum und Steuererleichterungen gehen einher mit sinkender Beschäftigung, sinkenden Masseneinkommen, wachsender Staatsverschuldung und sinkender Konsumtion.
Ein Einkommensmillionär zahlt heute ca. 100.000 € weniger Steuern als 1998. Mehr als 100 Milliardäre leben heute in Deutschland, das ist der 3. Platz hinter den USA und Japan. Laut Manager Magazin gab es hierzulande noch nie so viele Milliardäre. In der Liste der reichsten Deutschen befinden sich erstmals 100 Einzelpersonen und Familien (2005 waren es 83 Einzelpersonen) mit einem geschätzten Vermögen von jeweils mindestens einer Milliarde €. Die Rekordguthaben der deutschen Geldaristokraten kamen dank günstiger Kapitalmärkte und teilweise starker Managementleistungen in der Industrie zustande (Quelle: Manager Magazin). Die Gebrüder Albrecht (Aldi) stehen mit einem Vermögen von 16 Milliarden € an der Spitze, gefolgt von Dieter Schwarz mit 10 Milliarden € (Lidl, Kaufland). Die Liste dieser Superreichen ist männlich dominiert, Frauen sind nur zu 15% am Milliardenvermögen beteiligt. Fred David, Journalist und Autor, bezeichnet die deutsche Geldaristokratie als beständig, ohne Dynamik.
Das Vermögenseinkommen in Deutschland wuchs von 1991 bis 2004 um ca. 43 Prozent, im Vergleich dazu Löhne und Gehälter um lediglich 10 Prozent. Die kleine Gruppe der Vermögenden verfügte 2004 über 51 Prozent des Nettovermögens pro Kopf.
Die fehlende Vermögenssteuer und die mehrfache Senkung der Einkommen steuerlichen Spitzenbelastung bewirken eine immer höhere Dynamik der Vermögenskonzentration. Durch Schenkungen und Erbschaften werden sich die Einkommensunterschiede und ungleiche Verteilung von Vermögen weiter festigen, was eine Zunahme sozialer Gegensätze und Konflikte bewirken wird.
Einkommen, das nicht durch Leistung oder Arbeit entstand wird in den nächsten Jahren des Übertrags von Vermögen potentieller Erblasser auf ein jährliches Volumen von durchschnittlich 130 Mrd. € anwachsen.
Reichtum verpflichtet und steht nicht außerhalb des Diskurses, wohin unsere Gesellschaft sich entwickelt, welcher Grad an sozialer Ungleichheit destruktiv wirkt und längerfristig das zivilgesellschaftliche Gemeinwesen gefährdet.
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